Social Media Marketing und Digital Relations werden auch in der (mitunter stark kritisierten) Immobilienbranche zum wichtigen Instrument im Marketingmix und zum dialogorientierten Kommunikationskanal. Daniel Görs, geschäftsführender Gesellschafter von EYECANSEE®, der Unternehmensberatung für strategische Kommunikation und Full-Service Agentur für PR, Marketing und Vertrieb, skizziert in der Immobilienzeitung Nr. 31 die Potenziale des Kurznachrichtendienst Twitter für Makler und Immobilienunternehmen und gibt Tipps aus der Beratungspraxis.
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SOCIAL MEDIA
KURZNACHRICHTENDIENST
Der Wunsch jedes Twitterers: Bitte folge mir!
140 Zeichen? Was kann damit schon gesagt werden? Mehr als man denkt: Es reicht für kleine Geschichten, z.B. auch über Immobilienprojekte. – Bis zum Gedankenstrich hat dieser Text 137 Zeichen, drei weniger als ein Tweet, eine Twitternachricht, haben darf. Doch wie verschickt man eigentlich Tweets? Was genau ist Twitter? Und können die Kurznachrichten in der Immobilienbranche ein taugliches Mittel in Sachen Kommunikation und Dialog sein?
31. Juli 2010, früher Sonntagmorgen, 5.44 Uhr MEZ: Die Zahl von 20 Mrd. Twitternachrichten ist erreicht. Ein Japaner schrieb die entscheidenden Zeichen. Das ermittelte das Unternehmen Gigatweet, das als inoffizieller, aber zuverlässiger Tweet-Zähler gilt (http://popacular.com/gigatweet). Diese Zahl zeigt, was jeder, der sich mit Kommunikation, Marketing und Medien beschäftigt, weiß: An Twitter kommt keiner mehr so richtig vorbei. „Zumindest ansehen sollte sich den Dienst jeder“, findet denn auch Daniel Görs, Geschäftsführer der Agentur Eyecansee in Hamburg (www.eyecansee.de).
Öffentliche Mini-Messages
Doch was genau ist Twitter eigentlich? Es ist eine Online-Plattform, mittels derer kurze Nachrichten mit einer maximalen Länge von 140 Zeichen veröffentlicht werden können. Die Zeichenzahl ist angelehnt an den Umfang, den eine SMS hat: 160 Zeichen minus Name gleich 140 Zeichen Inhalt, so der Gedanke. Die einzige Voraussetzung dafür, das Angebot nutzen zu können, ist, sich im Internet unter www.twitter.com anzumelden. Nach Eingabe des Namens, eines Benutzernamens, eines Passworts und einer E-Mail-Adresse kann es mit dem ersten Tweet, der ersten Nachricht losgehen. Ein „Eingabefeld, überschrieben mit der Frage: Was gibt’s Neues?“, gefolgt von der Aufforderung „Teile Deinen ersten Tweet mit der Welt!“ will gefüllt werden. Inhalt des Texts kann alles sein, was auch sonst im Internet gestattet ist – Spam, Pornografie, Beleidigung u.Ä. also nicht.
Wer die kleinen Meldungen allerdings nicht privat verschicken, sondern als Unternehmen nutzen will, der sollte sich vorher genau überlegen, was er der Welt mitteilen möchte. Denn Twitter gehört zum großen Web-2.0-Paket und wird als Teil der so genannten Social Media bezeichnet. Meist wird der Kurznachrichtendienst in einem Atemzug mit Facebook, YouTube, Xing und Co. genannt. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Keylens, über die Faz.net berichtete, dominiert in der Geschäftswelt eher blinder Aktionismus statt einer Strategie in Sachen Social Media. Etwas wovor Kommunikations-und PR-Berater Görs warnt: „Ich muss mir vorher ganz genau überlegen: Was will ich? Will ich verkaufen? Will ich meine Bekanntheit steigern? Will ich einen Dialog? Will ich mein Image pflegen?“ Im Idealfall sollte das Ziel von allem etwas sein.
Görs, der schon früh als Leiter Corporate Communications und Pressesprecher für das Portal immonet in der Twitterwelt unterwegs war, ist überzeugt von der Tauglichkeit der Mini-Messages auch für die Immobilienwirtschaft. In der Tat finden sich zahlreiche Personen und Firmen aus der Branche, die einen Account haben. Per Suche finden sich allein schon rund 200 Nutzer, die das Wort Immobilien direkt im Namen tragen. Es tummeln sich Makler und Medien ebenso wie Immo-AGs und Einkaufszentren. Selbst solche Konten, die noch keine Tweets verschickt haben, können häufig bereits Follower (das Twitter-Wort für Abonnenten) vorweisen. Görs (www.twitter.com/Goers) hat Nutzungsbeispiele für Immobilien-Twitterer parat: „Die Expo Real steht vor der Tür, da kann ich über Twitter meine Kunden und Geschäftspartner fragen: Was für ein Thema wollt Ihr bei uns am Messestand sehen? Das ist Minimarktforschung. Ich kann als Makler über Twitter-Search Interessenten-Tweets finden wie ,Suche Wohnung in Hamburg-Wandsbek’ und via @Antwort auf mein passendes Angebot verlinken.“ Die Ideen sprudeln aus dem Eyecansee-Geschäftsführer nur so heraus. Ideen kann aber nur haben, wer sich auskennt. Wichtig ist es daher, sich vorab mit der Twittersprache und den Möglichkeiten, die der Dienst bietet, zu beschäftigen. Und natürlich sollte der Aufwand, der betrieben werden soll, abgeschätzt werden. „Eine einfache Rechnung“, wie Görs findet. „Stecke ich etwa als Makler 30 Minuten am Tag, also zehn Stunden im Monat, in Twitter und es kommt ein Abschluss heraus, dann lohnt sich das bereits.“
Vor allem bevor es richtig losgeht, sollten Unternehmen Zeit investieren. Denn das Getwittere sollte in die gesamte Unternehmenskommunikation eingebunden sein. „Der Entscheider muss sich hinsetzen, seine PR-, Vertriebs- und Marketingkonzepte durchsehen und seine Twitterstrategie danach ausrichten“, sagt Görs.
Strategie und Konzept festlegen
Am Anfang steht die Konzepterstellung, hierfür setzt Görs etwa eine Woche Zeitaufwand an. So müssen Börsenunternehmen berücksichtigen, dass jeder Tweet kapitalmarktrelevant sein kann. Die Mitarbeiter brauchen also entsprechende Vorgaben, was geschrieben werden darf. Die eigenen Arbeitsabläufe müssen untersucht werden, um zu sehen, wo Twitter hineinpasst. „Es sollte auf jeden Fall systematisch und regelmäßig, am besten täglich, getwittert werden“, meint Görs. Außerdem ist zu entscheiden, ob Information herausgegeben oder der Dialog gesucht werden soll. „Ich muss festlegen, ob ich meinen Followern nur verkünden will: ,Der Spatenstich unseres neuen Projekts ist erfolgt’, oder ob ich auch Reaktionen darauf erzielen und darauf entsprechend reagieren möchte“, erläutert der Agenturchef.
Anschließend folgt das Anlegen und Designen des Accounts. Görs betont: „Der Twitter-Hintergrund sollte unbedingt individuell gestaltet sein.“ Eine kurze Beschreibung des Unternehmens nebst Logo und ein Impressum – es gab schon erste Abmahnungen nach dem Telemediengesetz – sind ein Muss. Berater Görs empfiehlt darüber hinaus noch den Namen zumindest eines Ansprechpartners und die Angabe, wer denn da überhaupt twittert. „Bei einem Corporate Account sollte gesagt werden, wer hier schreibt. Denn: Twitterati folgen lieber authentischen Personen als anonymen Unternehmen.“ Eine persönliche Ansprache darf also gerne sein. Dann geht es in die Ausprobierphase: Was kommt gut an? Der Link zum Marktbericht? Ein Tweet von der Hauptversammlung der Immo-AG? Eine Einladung zur FM-Messe für die ersten zehn, die meine Nachricht retweeten? Wer häufig retweetet wird – das heißt, dass andere sich meine Kurz-Texte zu eigen machen und an ihre Follower weiterschicken –, ist auf dem richtigen Weg.
Denn so verbreitet sich die Information gleich einem Virus. Und je interessanter die Tweets sind, desto mehr werden mir folgen. „Per Social Media Monitoring kontrolliere ich dann, wie alles läuft und kann gezielt Verbesserungen vornehmen“, erklärt Görs die nächsten Schritte. Trotz dem oft vermittelten „Ohne Social Media und Twitter geht heute nichts mehr“ gibt es viele Kritiker. Die Argumente reichen von „Noch ein Info-Dienst mehr!“ über „Wo bleibt der Datenschutz?“ bis zu „Wann soll ich das auch noch machen?“ und „In der Immobilienwirtschaft kommt es nicht auf die Schnelligkeit an!“ Tatsache ist, dass auch im deutschsprachigen Raum immer mehr Menschen bei Twitter unterwegs sind. Der Blog Webevangelisten hat für Mai 2010 270.000 aktive Accounts in deutscher Sprache ermittelt, im Mai 2009 waren es noch 78.000 – ein Plus von 246%. Eine Entscheidung gegen Twitter sollte also zumindest bewusst getroffen werden. Görs gibt zu bedenken: „Die Konkurrenz verschenkt diese Chancen sicher nicht, vor allem solange Dienste wie Twitter & Co noch ,for free’ sind.“ (ba)
Quelle: Immobilien Zeitung Nr. 31 vom 5.8.2010, Seite 6
www.immobilien-zeitung.de
Dieser Beitrag aus der Immobilien Zeitung steht als PDF online bereit unter
http://eyecansee.de/dl/Goers_Eyecansee_Twitter_Immobilien_Zeitung_Socia_Media_Marketing.pdf





